RATGEBER · LEADPORTALE

Leadportale im Realitätscheck: Lohnen sich MyHammer, Aroundhome & Co. für Handwerksbetriebe?

MyHammer, Aroundhome, CHECK24: 8–120 € je Anfrage, meist an 3–5 Betriebe verkauft. Was die Modelle kosten – und ab wann sie sich für Sie rechnen.

Frank Ewerle mit verschränkten Armen in einer ProduktionshalleFrank EwerleGeschäftsführer der Ewerle GmbH, Betriebswirt BA

Veröffentlicht am Zuletzt geprüft am 8 Minuten Lesezeit

Inhalt dieses Beitrags

Leadportale kosten Handwerksbetriebe je nach Gewerk und Auftragsgröße zwischen 8 und 120 € pro Kundenanfrage. Der entscheidende Kostenfaktor ist aber nicht der Stückpreis, sondern die Mehrfachvergabe: Die meisten Portale verkaufen dieselbe Anfrage an drei bis fünf Betriebe. Rechnet man das ein, kostet ein tatsächlich gewonnener Auftrag über ein Portal typischerweise 200 bis 2.700 € an reinen Anfragekosten. Ob sich das lohnt, entscheidet eine einzige Größe: der Rohertrag Ihres durchschnittlichen Auftrags.

Dieser Beitrag erklärt die Geschäftsmodelle, rechnet zwei dokumentierte Fälle durch und benennt ausdrücklich, wann sich Portale rechnen — denn das tun sie in bestimmten Konstellationen durchaus.

Wie das Geschäftsmodell funktioniert

Alle großen Portale haben dieselbe Grundmechanik: Der private Auftraggeber nutzt sie kostenlos, der Handwerksbetrieb bezahlt. Unterschiedlich ist nur, wofür er bezahlt.

1. Pay-per-Lead. Sie zahlen einen festen Betrag für den Kontakt — unabhängig davon, ob daraus ein Auftrag wird. Das ist das verbreitetste Modell.

2. Provision auf den Auftragswert. Zusätzlich oder alternativ wird ein Prozentsatz des Auftrags fällig, wenn er zustande kommt.

3. Abonnement. Eine monatliche Grundgebühr für Sichtbarkeit, Platzierung oder Zugang zu ausgeschriebenen Projekten.

Die meisten Portale kombinieren zwei dieser drei Bausteine. Und fast alle haben eine gemeinsame Eigenschaft, die selten auf der Startseite steht: Dieselbe Anfrage wird mehrfach verkauft.

Die Portale im Vergleich

PortalModellWas Sie zahlenExklusivitätBindung
MyHammerPay-per-Lead, teils mit ProvisionAngaben schwanken deutlich: 1–39 € je Auftrag nach Erstkontakt (doozer) bzw. 8 € bis über 70 € je Kontakt plus 5–12 % Provision vom Auftragswert (A&M Beratung)üblicherweise 3–5 Betriebe je Anfrageje nach Paket
CHECK24 ProfisPay-per-KontaktRegistrierung kostenfrei, keine Monatsgebühr; Gebühr nur „bei bestätigtem Interesse des Kunden“; 50 € Startguthaben; bis zu 30 % Rabatt bei hoher Aktivität und Qualität. Marktbeobachtung: 50–120 € je AnfrageMehrfachvergabe ist Standardkeine Monatsgebühr
AroundhomeFestpreis je qualifizierter AnfrageFestpreis je Anfrage, produktabhängig, erst im Vertragsprozess einsehbar. Ausdrücklich keine Provision auf Ihren Projektumsatzmax. 3 Fachpartner je Anfrage (Angabe des Anbieters)meist monatlich kündbar
BlauarbeitAbonnementPremium-Mitgliedschaft ab 59 € im Monat, je nach Paket rund 40–150 €Auktionsprinzip, mehrere Bieter je AuftragLaufzeit je Paket

Wichtiger Hinweis zu dieser Tabelle: Die Preisangaben stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen und Erfahrungsberichten, nicht aus offiziellen Preislisten. Portale nennen ihre Konditionen überwiegend erst im Vertragsprozess, und sie ändern sie. Betrachten Sie die Werte als Größenordnung und lassen Sie sich Ihre Konditionen vor Vertragsschluss schriftlich geben.

Zur Marktgröße, damit Sie das Volumen einordnen können: Aroundhome nennt rund 1,5 Millionen Kundenanfragen im Jahr und über 2.000 Partnerbetriebe. Nach Angaben aus dem Partnerumfeld werden davon rund 19 % an Partner weitergeleitet; 81 % werden vorher aussortiert.

Die eine Zahl, die alles entscheidet

Der Stückpreis einer Anfrage sagt nichts. Entscheidend sind die Anfragekosten je gewonnenem Auftrag — also Stückpreis geteilt durch Abschlussquote. Zwei dokumentierte Fälle:

Fall 1. Ein Betrieb investierte über die Laufzeit 84.000 € in Leadportale und erhielt dafür 950 Anfragen — rechnerisch 88 € je Anfrage. Daraus entstanden 42 Aufträge, eine Abschlussquote von 4,4 %. Anfragekosten je gewonnenem Auftrag: rund 2.000 €.

Quelle: Fallbeispiel bei A&M Beratung

Fall 2. Ein Betrieb erhielt 21 Leads, aus denen 4 Angebotsanfragen und 2 Aufträge wurden — eine Quote von 9,5 %. Bei 80 € je Lead ergibt das 840 € je gewonnenem Auftrag.

Quelle: Erfahrungsbericht eines Partnerbetriebs

Zwei Fälle sind keine Statistik. Aber sie spannen den realistischen Korridor auf: zwischen etwa 800 € und 2.700 € an Anfragekosten je gewonnenem Auftrag.

Jetzt wird die Rechnung interessant. Halten Sie diesen Korridor gegen den Rohertrag je Auftrag in 16 Gewerken:

GewerkRohertrag je AuftragBei 840 € Anfragekosten je Auftrag bleibtBei 2.000 € bleibt
Wärmepumpe3.500–7.000 €2.660–6.160 €1.500–5.000 €
Badsanierung2.500–5.000 €1.660–4.160 €500–3.000 €
PV-Anlage3.000–5.000 €2.160–4.160 €1.000–3.000 €
Fensteraustausch1.600–3.500 €760–2.660 €−400 bis 1.500 €
Neue Böden800–2.000 €−40 bis 1.160 €−1.200 bis 0 €
Markise400–1.200 €−440 bis 360 €−1.600 bis −800 €

Damit steht die Antwort in der Tabelle: Portale rechnen sich bei hohem Auftragswert und guter Abschlussquote — und sie sind bei kleinen Auftragswerten ein strukturelles Verlustgeschäft. Nicht wegen der Preise der Portale, sondern wegen der Mathematik dahinter.

Wann sich ein Leadportal lohnt

Es gibt Situationen, in denen ein Portal die vernünftigere Wahl ist. Ehrlich benannt:

  • Sie haben kurzfristig freie Kapazität. Ein Portal liefert ab Tag eins. Eigene Sichtbarkeit aufzubauen dauert Wochen bis Monate.
  • Ihr Rohertrag je Auftrag liegt über 2.500 €. Dann trägt ein Auftrag auch eine schlechte Abschlussquote.
  • Sie können innerhalb von Minuten reagieren. Bei mehrfach verkauften Anfragen gewinnt sehr häufig, wer zuerst anruft. Wenn Ihr Handy auf dem Dach nicht erreichbar ist, ist das Modell nicht für Sie gemacht.
  • Sie wollen ein neues Gewerk oder eine neue Region testen. Ein Portal ist ein günstiger Markttest ohne Aufbauinvestition.
  • Sie haben noch gar keine Online-Sichtbarkeit. Dann ist ein Portal besser als nichts.

Wann es sich nicht lohnt

  • Bei kleinen Auftragswerten. Siehe Tabelle oben.
  • Wenn Sie nicht sofort reagieren können. Die Anfrage ist dann bezahlt und weg.
  • Wenn Ihre Stärke die Beratung ist. In einem Umfeld, in dem der Kunde parallel drei Angebote einholt, wird über den Preis entschieden, nicht über die Qualität der Ausführung. Betriebe, die bewusst hochwertiger arbeiten, verlieren diesen Vergleich systematisch.
  • Wenn Sie planbaren Zustrom brauchen. Ein Portal ist Miete, kein Aufbau. Sie zahlen jeden Monat neu für dieselbe Sichtbarkeit und besitzen am Ende nichts davon — keine Bekanntheit, keine Bewertungen, keine eigene Anfragestrecke.
  • Wenn Ihre eigentliche Engstelle die Kapazität ist. Mehr Anfragen helfen nicht, wenn Sie sie nicht abarbeiten können. Dann ist was eine unbesetzte Monteurstelle kostet die dringendere Rechnung.

Fünf Fragen, bevor Sie unterschreiben

  1. An wie viele Betriebe geht dieselbe Anfrage? Lassen Sie sich die Zahl schriftlich bestätigen. Das ist die wichtigste Frage überhaupt.
  2. Was kostet eine Anfrage in meinem Gewerk konkret? „Produktabhängig“ ist keine Antwort. Verlangen Sie eine Preisliste oder eine verbindliche Spanne.
  3. Kommt zusätzlich eine Provision auf den Auftragswert? Und wenn ja: Wie wird sie ermittelt, und wer meldet den Auftrag?
  4. Wie reklamiere ich eine unbrauchbare Anfrage — und wie oft darf ich das? Fast alle Portale haben ein Reklamationsverfahren. Fast alle begrenzen es. Lesen Sie die Grenze.
  5. Was passiert bei Kündigung mit meinem Restguthaben? Und: Wie lange ist die Kündigungsfrist tatsächlich?

Der andere Weg — und was er kostet

Die Alternative zum Portal ist, Anfragen selbst zu erzeugen: über eine eigene Anfragestrecke, gezielte Werbung in der Region und eine Vorabprüfung, die klärt, was der Interessent vorhat, wann und mit welchem Budget.

Wir sagen dazu offen, was das kostet: eine exklusive, vorqualifizierte Anfrage liegt je nach Gewerk bei 50 bis 180 € — bei kleinen Gewerken also über dem Portalpreis, bei großen etwa gleichauf. Der Unterschied liegt nicht im Stückpreis, sondern in den drei Faktoren dahinter:

  • Exklusivität. Die Anfrage geht nur an einen Betrieb. Sie führen kein Erstgespräch mit jemandem, der bereits vier Angebote auf dem Tisch hat.
  • Vorqualifizierung. Vorhaben, Zeitrahmen und ungefähres Budget stehen fest, bevor Sie zum Hörer greifen.
  • Aufbau statt Miete. Die Anfragestrecke, die Bilder, die Bewertungen und die Sichtbarkeit gehören Ihrem Betrieb — auch dann noch, wenn Sie die Kampagne pausieren.

Beides ist ein legitimes Modell. Der Unterschied ist die Rechnung dahinter, und die sollten Sie in beiden Fällen selbst aufmachen: Stückpreis geteilt durch Abschlussquote, gegen den Rohertrag Ihres durchschnittlichen Auftrags. Wenn ein Portal diese Rechnung für Sie besser besteht, nehmen Sie das Portal.

Häufige Fragen

Was kostet ein Lead bei MyHammer, CHECK24 oder Aroundhome?
Je nach Portal, Gewerk und Auftragsgröße zwischen 8 und 120 €. MyHammer arbeitet mit einem Betrag je Kontakt, teilweise ergänzt um eine Provision von 5 bis 12 % auf den Auftragswert. CHECK24 Profis berechnet je bestätigtem Kundeninteresse und verzichtet auf eine Monatsgebühr. Aroundhome nennt einen Festpreis je qualifizierter Anfrage ohne Umsatzprovision, macht ihn aber erst im Vertragsprozess sichtbar. Blauarbeit arbeitet mit einer Monatsgebühr ab 59 €. Alle Angaben schwanken und sind vor Vertragsschluss beim Anbieter zu erfragen.
Bekommen mehrere Handwerker dieselbe Anfrage?
In der Regel ja. Bei MyHammer wird eine Anfrage üblicherweise an drei bis fünf Betriebe ausgespielt, bei CHECK24 ist die Mehrfachvergabe Standard. Aroundhome gibt an, jede Anfrage an maximal drei Fachpartner zu vermitteln — Sie haben dort also höchstens zwei Mitbewerber. Das ist der wichtigste Unterschied zwischen den Modellen und der Punkt, an dem sich Ihre Abschlussquote entscheidet.
Warum ist meine Abschlussquote so niedrig?
Weil Sie in der Regel nicht allein anbieten. Wenn dieselbe Anfrage an fünf Betriebe geht und alle fünf ein Angebot abgeben, liegt die statistisch erwartbare Quote bei 20 % — und darunter, sobald einzelne Interessenten das Projekt gar nicht umsetzen. Ein dokumentierter Fall aus der Praxis liegt bei 4,4 % über 950 Anfragen. Die zweitwichtigste Ursache ist die Reaktionszeit: Bei mehrfach verkauften Anfragen gewinnt sehr oft schlicht der Schnellste.
Gibt es exklusive Leads für Handwerker?
Ja, aber nicht bei den klassischen Vergleichsportalen — deren Geschäftsmodell beruht darauf, eine Anfrage mehrfach zu verwerten. Exklusive Anfragen entstehen über eigene Kampagnen mit eigener Anfragestrecke. Sie kosten pro Stück meist mehr (50–180 € je nach Gewerk), sind dafür aber nicht Teil eines Bieterwettbewerbs.
Lohnt sich MyHammer für Kleinaufträge?
Bei sehr kleinen Aufträgen ist der Anfragepreis niedrig, aber auch der Rohertrag. Bei einem Auftrag mit 400 bis 1.200 € Rohertrag — etwa einer Markisenmontage — reichen wenige erfolglose Anfragen, um den Ertrag aufzuzehren. Rechnen Sie vor der Anmeldung durch, wie viele Anfragen Sie im Schnitt für einen Auftrag brauchen, und multiplizieren Sie das mit dem Stückpreis.
Soll ich mein Portal kündigen?
Nicht ohne Rechnung. Ziehen Sie sich Ihre Zahlen der letzten zwölf Monate: Gesamtausgabe an das Portal, Zahl der Anfragen, Zahl der gewonnenen Aufträge, Rohertrag daraus. Wenn der Rohertrag die Portalausgaben deutlich übersteigt, funktioniert es für Sie — dann ändern Sie nichts. Wenn nicht, ist die Frage nicht, ob Sie kündigen, sondern was stattdessen kommt. Eine Kündigung ohne Ersatz ist kein Plan.

Quellen

Alle Preisangaben Stand 09/2026. Portale ändern ihre Konditionen; die Seite wird jährlich geprüft.

Wenn Sie die Rechnung für Ihren Betrieb aufmachen wollen

Bringen Sie Ihre Portalzahlen der letzten zwölf Monate mit — Ausgaben, Anfragen, gewonnene Aufträge. Wir rechnen im kostenfreien Erstgespräch gemeinsam durch, was Sie eine Anfrage tatsächlich kostet, und sagen Ihnen, ob exklusive, vorqualifizierte Anfragen für Ihr Gewerk die bessere Rechnung wären. Falls nicht, sagen wir Ihnen auch das.