RATGEBER · VAKANZKOSTEN

Was eine unbesetzte Stelle Ihren Betrieb wirklich kostet

Eine unbesetzte Monteurstelle kostet 20.000–45.000 € über die typische Besetzungsdauer von 224 Tagen. Die Rechnung Schritt für Schritt, mit Quellen.

Frank Ewerle mit verschränkten Armen in einer ProduktionshalleFrank EwerleGeschäftsführer der Ewerle GmbH, Betriebswirt BA

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Inhalt dieses Beitrags

Eine unbesetzte Monteurstelle kostet einen Handwerksbetrieb rund 20.000 bis 45.000 € — nicht pro Jahr, sondern über die durchschnittliche Zeit, die eine Besetzung heute dauert. Diese Zeit liegt im Handwerk bei 224 Tagen; 2015 waren es noch 104 Tage. Der größte Posten ist dabei nicht das gesparte Gehalt, sondern der Rohertrag der Aufträge, die Sie in diesen sieben Monaten nicht annehmen konnten.

Diese Zahl lässt sich nachrechnen, und genau das tun wir auf dieser Seite — mit offengelegten Annahmen, damit Sie jede einzelne durch Ihre eigene ersetzen können.

Warum die üblichen Vakanzkosten-Rechnungen im Handwerk nicht passen

Die verbreitete Formel lautet: Jahresgehalt geteilt durch Arbeitstage, mal Vakanztage, mal einem Faktor zwischen zwei und drei. Sie stammt aus der Bürowelt und hat im Handwerk zwei Fehler.

Erstens rechnet sie mit dem Gehalt. Ein Gehalt, das Sie nicht zahlen, ist aber keine Kostenstelle, sondern eine Ersparnis. Was Ihnen fehlt, ist nicht das Gehalt — es ist die Leistung, die der Mitarbeiter verkauft hätte.

Zweitens ignoriert sie das Material. In einem Bürojob steckt die gesamte Wertschöpfung in der Arbeitszeit. Im Handwerk verdient der Betrieb an der Stunde und an dem, was durch die Stunde verbaut wird. Ein Monteur, der ein Bad fertigstellt, trägt einen Auftragswert von 12.000 bis 25.000 € mit — nicht nur seine 40 Wochenstunden.

Deshalb rechnen wir hier anders: über den Deckungsbeitrag der produktiven Stunde und über den Rohertrag je Auftrag. Beide Wege führen unabhängig voneinander in dieselbe Größenordnung. Das ist das eigentlich Bemerkenswerte an der Rechnung.

Die drei Zahlen, die Sie dafür brauchen

KennzahlWertQuelle
Durchschnittliche Besetzungsdauer im Handwerk224 Tage (2024); alle Berufe: 160 TageBundesagentur für Arbeit, Presseinfo 10.09.2025
Stundenverrechnungssatz Geselle~64 € netto (Meister ~73 €)Preisatlas Handwerk 2026, Befragung von 573 Betrieben
Produktive, verrechenbare Stunden je Mitarbeiter und Jahr1.200–1.500, konservativ gerechnet 1.400Kalkulationspraxis der Handwerkskammern

Zur Einordnung der ersten Zahl: Die Besetzungsdauer im Handwerk hat sich in zehn Jahren mehr als verdoppelt — von 104 auf 224 Tage. Über alle Berufe hinweg stieg sie im selben Zeitraum von 84 auf 160 Tage. Das Handwerk hat sich also nicht nur verschlechtert, es hat sich schneller verschlechtert als der Rest des Arbeitsmarkts. Wer heute eine Stelle ausschreibt und mit der Erfahrung von vor zehn Jahren plant, verkalkuliert sich um ein halbes Jahr.

Rechnung 1: über die produktive Stunde

Diese Rechnung ist die konservative Untergrenze. Sie berücksichtigt nur die Arbeitsleistung, nicht das Material.

Was die Stelle einbringen würde
1.400 produktive Stunden im Jahr × 64 € Gesellensatz = 89.600 € Umsatz aus Arbeitsleistung

Was sie kosten würde
Ein Anlagenmechaniker SHK verdient im Median 3.884 € brutto im Monat (Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit). Das sind 46.600 € im Jahr, zuzüglich rund 22 % Arbeitgeber-Lohnnebenkosten: rund 56.900 € Vollkosten. Auf 1.400 produktive Stunden gerechnet sind das rund 41 € je Stunde.

Was übrig bleibt
64 € − 41 € = 23 € Deckungsbeitrag je produktiver Stunde. Über 1.400 Stunden: 32.200 € im Jahr.

Über die tatsächliche Vakanzzeit
224 von 365 Tagen sind 61 % eines Jahres. 32.200 € × 0,61 = rund 19.800 €.

Dieser Deckungsbeitrag ist vollständig verloren, denn Ihre Gemeinkosten laufen weiter: Miete, Fuhrpark, Verwaltung, Versicherungen, Ihr eigenes Gehalt. Sie werden nur noch von weniger Schultern getragen.

Rechnung 2: über den Rohertrag je Auftrag

Diese Rechnung kommt der Wirklichkeit materialintensiver Gewerke näher — und sie ist die, die jeder Inhaber im Kopf sofort nachvollzieht.

Für 16 Gewerke haben wir aus öffentlichen Preisquellen den typischen Auftragswert und daraus den Rohertrag je gewonnenem Auftrag in 16 Gewerken abgeleitet. Die Frage lautet dann nur noch: Wie viele Aufträge dieser Art hängen bei Ihnen an einer Monteurstelle?

Diese eine Zahl kennen wir nicht — Sie schon. Deshalb zeigt die Tabelle drei Szenarien statt einer erfundenen Durchschnittsannahme. Alle Werte beziehen sich auf 224 Tage Vakanz.

GewerkRohertrag je Auftragbei 5 Aufträgen/Jahrbei 10 Aufträgen/Jahrbei 20 Aufträgen/Jahr
Badsanierung2.500–5.000 €7.700–15.400 €15.400–30.700 €30.700–61.400 €
Wärmepumpe3.500–7.000 €10.700–21.500 €21.500–43.000 €43.000–86.000 €
PV-Anlage3.000–5.000 €9.200–15.400 €18.400–30.700 €36.800–61.400 €
Fensteraustausch1.600–3.500 €4.900–10.700 €9.800–21.500 €19.600–43.000 €
Neue Böden800–2.000 €2.500–6.100 €4.900–12.300 €9.800–24.500 €
Klimaanlage (Split)600–1.800 €1.800–5.500 €3.700–11.000 €7.400–22.100 €

Ein SHK-Betrieb, dessen Monteur im Jahr an zehn Badsanierungen beteiligt ist, verliert über die durchschnittliche Vakanzzeit also 15.400 bis 30.700 € Rohertrag. Rechnung 1 kam auf 19.800 €. Die beiden Wege überlappen — und sie tun es, obwohl sie aus völlig unterschiedlichen Datenquellen stammen.

Was in beiden Rechnungen noch fehlt

Beide Zahlen sind Untergrenzen. Was sie nicht enthalten:

  • Überstundenzuschläge für das verbliebene Team, das die Lücke füllt.
  • Abgelehnte Aufträge. Der teuerste Auftrag ist der, den Sie gar nicht erst annehmen — er taucht in keiner Buchhaltung auf.
  • Termintreue und Folgegeschäft. Verschobene Termine kosten Bewertungen, Weiterempfehlungen und Nachfolgeaufträge.
  • Fluktuationsrisiko. Anhaltende Überlastung ist einer der häufigsten Kündigungsgründe. Aus einer unbesetzten Stelle werden dann zwei.
  • Der eigene Zeitaufwand für die Suche. Anzeigen schalten, Bewerbungen sichten, Gespräche führen, die nicht zum Termin erscheinen.
  • Der Preis der Notlösung. Zeitarbeit kostet je nach Gewerk das 1,8- bis 2,5-fache des Stundenlohns.

Eine Analyse der StepStone Group beziffert die messbaren Kosten einer unbesetzten Stelle in Deutschland auf durchschnittlich 29.000 €, für Handwerksberufe auf rund 32.600 €. Bemerkenswert an dieser Untersuchung ist weniger der Betrag als die Aufteilung: Nur etwa 30 % sind direkte Kosten — zusätzlicher Recruiting-Aufwand, Überstunden, Aushilfen. Die übrigen 70 % sind Opportunitätskosten: Umsatz, der nicht gemacht wurde.

Genau das ist der Grund, warum die meisten Betriebe ihre Vakanzkosten unterschätzen. Die 30 % stehen in der Buchhaltung. Die 70 % nicht.

Die eigentliche Kostengröße ist nicht der Betrag, sondern die Zeit

Wenn eine unbesetzte Monteurstelle grob 3.000 bis 5.000 € Rohertrag im Monat kostet, dann ist jeder Monat, den die Besetzung schneller gelingt, exakt so viel wert. Das verschiebt die Frage.

Nicht: Was kostet mich die Personalsuche?
Sondern: Wie viele Monate spare ich — und was sind die wert?

Ein Beispiel: Ein Betrieb, der die durchschnittlichen 224 Tage auf 60 Tage verkürzt, gewinnt gut fünf Monate. Bei 3.500 € entgangenem Rohertrag im Monat sind das rund 18.000 €. Vor diesem Hintergrund ist die Frage, ob eine Kampagne 6.000 € oder 9.000 € kostet, nachrangig — entscheidend ist, ob sie überhaupt zur Einstellung führt. Was die Wege dorthin kosten, haben wir getrennt aufgeschlüsselt: was Social Recruiting kostet.

So haben wir gerechnet

Damit Sie die Zahlen prüfen und Ihre eigenen einsetzen können:

  • Vakanzzeit: 224 Tage, durchschnittliche abgeschlossene Vakanzzeit im Handwerk 2024 laut Bundesagentur für Arbeit. Kein Schätzwert, sondern amtliche Statistik.
  • Stundenverrechnungssatz: 64 € netto für die Gesellenstunde, aus dem Preisatlas Handwerk 2026 (Befragung von 573 Betrieben). Die Erhebung ist nicht repräsentativ und stammt von einem Softwareanbieter — wir nennen sie trotzdem, weil es keine bessere öffentliche Quelle gibt, und weisen ausdrücklich darauf hin. Setzen Sie hier Ihren eigenen Satz ein.
  • Produktive Stunden: 1.400 im Jahr. Die Kalkulationspraxis der Handwerkskammern nennt 1.200 bis 1.500 nach Abzug von Urlaub, Feiertagen, Krankheit, Fahrt- und Rüstzeiten. Wir rechnen im unteren Mittelfeld.
  • Lohnvollkosten: Medianentgelt aus dem Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit plus 22 % Arbeitgeber-Nebenkosten (marktüblicher Wert 2025: 21–23 %).
  • Rohertrag je Auftrag: aus unserer Gewerke-Übersicht, dort für jedes Gewerk mit Quelle und Herleitung belegt. Die Werte sind bewusst unter der buchhalterischen Rohertragsspanne des Handwerks (25–45 %) kalibriert, damit sie auch nach anteiligen Lohnkosten belastbar bleiben.
  • Was wir nicht getan haben: Wir haben keinen „Produktivitätsfaktor“ und keinen „Wissensverlust-Multiplikator“ angesetzt. Solche Faktoren machen Rechnungen größer, aber nicht richtiger.

Die Grenzen dieser Rechnung

Sie gilt für produktive, kundennah eingesetzte Stellen — Monteure, Gesellen, Techniker, Bauleiter. Für eine Bürokraft oder eine Lagerstelle funktioniert sie nicht, weil dort kein direkter Auftragsbezug besteht; die Kosten sind trotzdem real, nur anders zu ermitteln.

Sie gilt außerdem nur, wenn Sie die Aufträge tatsächlich hätten annehmen können. Ein Betrieb ohne Auftragsstau verliert durch eine unbesetzte Stelle weniger — dafür ist bei ihm vermutlich die Auftragslage das dringlichere Thema.

Und sie ist keine Prognose, sondern eine Größenordnung. Regionale Preisunterschiede sind erheblich: Die Meisterstunde reicht im Bundesvergleich von 58,80 € in Mecklenburg-Vorpommern bis 82,50 € in Berlin.

Häufige Fragen

Was kostet eine unbesetzte Stelle in einem Handwerksbetrieb pro Monat?
Für eine produktive Fachkraftstelle liegt der entgangene Deckungsbeitrag bei rund 2.500 bis 3.000 € im Monat, wenn man nur die Arbeitsleistung rechnet. Rechnet man den Rohertrag der Aufträge mit, die dadurch nicht angenommen werden konnten, liegt der Wert je nach Gewerk bei 2.000 bis 7.000 € im Monat. Für einen Monteur in einem materialintensiven Gewerk wie Wärmepumpe oder Bad ist der obere Bereich realistisch.
Wie lange dauert es heute, eine Handwerksstelle zu besetzen?
Im Durchschnitt 224 Tage — das ist die durchschnittliche abgeschlossene Vakanzzeit im Handwerk für das Jahr 2024 laut Bundesagentur für Arbeit. Vor zehn Jahren waren es 104 Tage. Über alle Berufe hinweg liegt der Wert bei 160 Tagen, das Handwerk liegt also rund 40 % darüber. In Engpassberufen wie der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik oder im Aus- und Trockenbau liegen die Werte noch deutlich höher.
Warum zählt das gesparte Gehalt nicht als Ersparnis?
Es zählt — es ist in der Rechnung bereits berücksichtigt. Der Deckungsbeitrag von 23 € je Stunde ist genau das, was nach Abzug der vollen Lohnkosten übrig bleibt. Der Denkfehler entsteht dort, wo jemand nur das gesparte Gehalt sieht und daraus schließt, eine unbesetzte Stelle sei betriebswirtschaftlich neutral. Das wäre nur dann so, wenn der Mitarbeiter genau so viel erwirtschaftete, wie er kostet — dann bräuchte man ihn allerdings nicht einzustellen.
Sind 29.000 € Vakanzkosten nicht übertrieben?
Für einen kleinen Handwerksbetrieb mit einer einzelnen offenen Gesellenstelle ist der Wert eher am oberen Rand. Unsere eigene Rechnung kommt für diesen Fall auf 20.000 bis 30.000 €. Die StepStone-Zahl umfasst zusätzlich Positionen, die in kleinen Betrieben weniger stark ins Gewicht fallen — Recruiting-Prozesskosten, Einarbeitungsverluste, Führungsaufwand. Als Größenordnung ist sie brauchbar; als Rechnung für den eigenen Betrieb ist die Rechnung über den Rohertrag genauer.
Wie viele Stellen sind im Handwerk derzeit unbesetzt?
Der Zentralverband des Deutschen Handwerks spricht von über 200.000 unbesetzten Stellen. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung des Instituts der deutschen Wirtschaft kommt für 2024 auf rund 107.700 Stellen, die rechnerisch nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden konnten. Der Unterschied erklärt sich durch die Methodik: Viele Betriebe melden offene Stellen gar nicht erst.
Lohnt sich eine Investition in die Personalsuche überhaupt noch?
Das ist eine Rechenaufgabe, keine Glaubensfrage. Wenn eine offene Stelle 2.500 bis 5.000 € Rohertrag im Monat kostet und eine Maßnahme die Besetzung um vier Monate beschleunigt, liegt der Gegenwert bei 10.000 bis 20.000 €. Liegt die Maßnahme darunter, rechnet sie sich — vorausgesetzt, sie führt tatsächlich zur Einstellung. Genau deshalb ist die Frage nach der schriftlichen Einstellungs-Garantie die wichtigste, die Sie einem Anbieter stellen können.

Quellen

Wenn Sie wissen wollen, wie lange Ihre Stelle noch offen bleibt

Wir prüfen in einem kostenfreien Erstgespräch, wie viele wechselbereite Fachkräfte Ihres Berufs in Ihrem Umkreis tatsächlich erreichbar sind — und sagen Ihnen ehrlich, ob eine Besetzung in wenigen Wochen realistisch ist oder nicht. Für Betriebe im Saarland und der Großregion ebenso wie bundesweit.